Energie > Mühlenumfeld Willstätt

Mühlenumfeld Willstätt

2010 – 2019

Auftraggeber: Gemeinde Willstätt

Größe: 5.500m²

Erbrachte Leistungen: Bestandsaufnahme mit Analyse, Renaturierung Kinzig, Freiflächenplanung Dorfplatz Lph. 1–8

Mitten im Herzen der Gemeinde liegt die ehemalige Mühle Willstätt. Im Zuge einer großangelegten und weitreichenden Renaturierung der Kinzig, die die Mühle ursprünglich antrieb, wurde der Betrieb der Mühle ineffizient. Der Wegfall der Stromerzeugung aus Wasserkraft führte zum jahrelangen Brachliegen des Gebäudes und der angrenzenden Freiflächen. Durch seine zentrale Lage inmitten des Ortskerns bot sich das Gebäude für eine Vielzahl neuer Nutzungen an. Aufgrund dessen wurden verschiedene Konzepte zur Nachnutzung des Mühlenareals erarbeitet. Mittlerweile, nach einer aufwendigen Sanierung, sorgen das Rathaus und Eigentumswohnungen für neues Leben.

In die Jahre gekommen war das Areal 2010
Hinter dichtem Bewuchs versteckte sich die Mühle
Eine Brachfläche prägte das innerörtliche Erscheinungsbild

Im Zuge der Mühlensanierung wurden auch die angrenzenden Freianlagen umgestaltet. Eine neue, lebendige Ortsmitte sollte entstehen, die neben Aufenthaltsmöglichkeiten vor allem das Ortsbild aufwerten sollte. So entstand nordöstlich der Mühle ein neuer Treffpunkt in Form eines Dorfplatzes. Dieser wird auf der Ost- und Südseite von einem neuen Wohn- und Geschäftshaus gefasst. Im Westen grenzt das Rathaus an und im Norden kann man den vorbeifahrenden Verkehr der Hauptstraße beobachten. Räumlich wird die Straße durch eine langgezogene Sitzbank und Pflanzgefäße vom Platz getrennt. Bäume sorgen für Schatten und das leise Plätschern des Wasserspiels für Aufenthaltsqualität. Ein Café belebt den Platz zusätzlich. Die zentrale Platzfläche wurde mit Granitpflaster gestaltet, das sich bis zum Rathauseingang im Westen, über den Straßenraum zieht und einen großzügigen Teppich ausbildet. Hier flankieren Fahnenmasten und Fahrradständer den Zugang zum Gebäude. Weiteren Belagsflächen wurden in einem farblich angepassten, durchlaufenden Betonpflaster hergestellt. Es verbindet den Dorfplatz mit dem südlich der Mühle gelegenen, großzügigen Veranstaltungsplatz für Dorffeste. Im Belag eingelassene Zelthülsen ermöglichen den reibungslosen Aufbau der Festzelte, während eine Bodenhülse das Stellen des Mai- und Weihnachtsbaumes ermöglicht. Auch die Wasser- und Stromanschlüsse wurden in der Planung berücksichtigt. Weiter südlich schafft der abgesenkte Flößergarten einen attraktiven Aufenthaltsbereich am renaturierten Kinzigufer.

Über Stege sollte die Kinzig erlebbar gemacht und die Mühle ins Zentrum der Ortsmitte gerückt werden
Auch die Verkehrssituation sollte angepast werden

Über Rasenstufen gelangt man in den tieferliegenden Bereich, der mit seinen massiven Holzdecks zum Entspannen lockt. Auch als Trauzimmer im Freien dienen die Decks gelegentlich. An warmen Sommertagen lässt sich das kühle Nass der Kinzig hier besonders gut erleben. Dazu trägt auch die große Freitreppe am westlichen Rand des Veranstaltungsplatzes bei. Sitzstufen ermöglichen hier ebenfalls das Verweilen am Bach. Macht man sich über den neugeschaffenen Uferweg in Richtung Norden auf, so findet man zusätzliche Sitz- und Liegemöglichkeiten vor, die zum Relaxen einladen. In Richtung Süden gelangt man hingegen auf die historische Wehranlage, die von einer instandgesetzten Bastion und zahlreichen Stegen geprägt ist. Letztere Schaffen die fußläufige Verbindung der beiden Uferseiten. Bewusst wurden Elemente wir der ehemalige Rechenfang beibehalten. Sie verweisen auch heute noch auf die Geschichte des Ortes. So auch die bereits beschriebenen Holzdecks im Flößergarten, die auf die lange Tradition des Flößens an der Kinzig verweisen. Die Randbereiche, also der Übergang vom Ufer der Kinzig zu den Wegen und Platzbereichen, wurden mit großen Findlingen und einer abwechslungsreichen Bepflanzung gestaltet. Mehrstämmige Erlen bieten Schatten und greifen das Thema „Bach“ gestalterisch auf. Die historischen Buntsandsteinmauern wurden aufwendig saniert und teilweise authentisch ergänzt bzw. weitergeführt. Hinter der Ufermauer verläuft ein Fußweg, der das Rathausareal in Richtung Süden mit dem angrenzenden Grünzug verbindet. Parkplätze für Besucher des Rathauses wurden im Süden ebenfalls realisiert. Sie werden durch einen Kirschhain, der vor allem im Frühling mit seiner üppigen Blüte besticht, beschattet. Zahlreiche Sitzgelegenheiten bieten Passanten die Möglichkeit zum Verweilen. Eine pflegeextensive Staudenpflanzung sorgt für farbliche Akzente und vervollständigt das Pflanzkonzept.  Die Materialauswahl orientiert sich am historischen Bestand. In der Planung wurde auch die  Möglichkeit zur nachträglichen Errichtung eines Servicegebäudes für Veranstaltungen berücksichtigt. Neben einer Grund- und Sicherheitsbeleuchtung der Straßenräume sorgt eine Akzentbeleuchtung der Plätze auch in den Abend- und Nachtstunden für Aufenthaltsqualität. Eine besondere Technik kommt bei der Beleuchtung der Gebäudefassade des ehemaligen Mühlengebäudes zum Einsatz. Sogenannte Gobo-Strahler ermöglichen eine gerichtete, blendfreie Ausleuchtung der Fassaden. 

Schon von weitem ist das Areal erkennbar
Im Mühlengebäude befindet sich heute das Rathaus. Der vorgelagerte Flößergarten kann als Trauzimmer im Freien genutzt werden
Über Sitzstufen gelangt man zur Kinzig
Auch der Eingangsbereich wurde aufgewertet und organisiert
Ein Wasserspiel, Sitzbänke und Blumenkästen prägen das heutige Bild des Mühlenplatzes

Durch die umfangreiche Neugestaltung des Gebäudes und seiner angrenzenden Freiflächen, aber auch durch die ökologische Aufwertung der Kinzig durch die Renaturierung nahm die Gemeinde Willstätt eine einmalige Chance wahr, ihre Ortsmitte um einen bedeutenden Baustein zu ergänzen und fit für die Zukunft zu machen.