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Bürgerpark „Alter Friedhof“ Tuttlingen

2012 – 2017

Auftraggeber: Stadt Tuttlingen

Größe: 31.800m²

Erbrachte Leistungen: Freiflächenplanung, Gartendenkmalpflege, Konversion, Lph. 1-9

Der Alte Friedhof in Tuttlingen, malerisch gelegen am Fuße des Honbergs, wurde zum Bürgerpark umgestaltet. Der neugestaltete Vorplatz des Innovations- und Forschungs-Centrum Tuttlingen, welches Teil der Hochschule Furtwangen ist, dient als Gelenk und führt den Besucher von der Innenstadt kommend in die Parkanlage. Das durchdachte, freiraumplanerische Konzept erhöht die Attraktivität der Parkanlage, welche aufgrund ihrer Nähe zur Innenstadt einen wichtigen stadträumlichen Grünraum darstellt.

Ein wesentlicher Aspekt der Konzeption stellt der Erhalt des wertvollen Baumbestands und der zahlreichen historischen Elemente, wie beispielsweise den Natursteinmauern, den Brunnen und Grabsteinen dar. Durch sie entstand eine ganz eigene, einladende Stimmung, die den Besucher bereits am Eingangstor in ihren Bann zieht. Im Bereich des Ehrenfriedhofes, der in direkter Nachbarschaft zur Ehrenhalle liegt, wurden die Soldatengräber integriert und leicht erhöhte Pflanzflächen eingebettet. Diese werden durch feine Stahlkanten eingerahmt. Auch die vorhandenen Plattenbeläge wurden wieder eingebaut. Sie werden durch Muschelkalk-Quader und ein ausgewähltes Pflanzkonzept aus Buchenhecken ergänzt und weitergeführt. So bleibt die Geschichte des Ortes erfahrbar und wird durch die Ergänzung neuer Elemente in die Gegenwart geführt.

Marode Treppen und Mauern
Große Rasenflächen und ein alter Baumbestand
Großzügige Wegeachsen in schlechtem Zustand
Vom Zugang des Friedhofes führt künftig die Hauptachse durch den Bürgerpark

Die vorhandenen Strukturen bzw. die lange Geschichte des Ortes werden durch feine Details erfahrbar, die sich unter anderem in Form von eingemeißelter Beschriftung in den Natursteinquadern zeigen. Auch im Bereich des Vorplatzes des Alten Krematoriums, welches heute als Kulturhaus genutzt wird, wurde dieses Konzept realisiert. Hier wurde ein Natursteinpflaster verlegt und die vorhandenen Natursteinmauern im Bereich der Auffahrt saniert.

Gesamtgrundriss

Ein barrierefreier Hauptweg, der sich vom Stadtzentrum einmal durch den gesamten Park zieht, dient die zentralen Orte des ehemaligen Friedhofes an. Ergänzt wird er durch eine Vielzahl an Nebenwegen, von denen aus der Park erkundet und erlebt werden kann. Selbstverständlich wurde bei der Belagswahl darauf geachtet, dass er von allen Generationen leicht begangen werden kann und sich farblich in die Umgebung einfügt. Weiter führen Schrittplattenwege entlang blühender Wiesenstreifen zu den ruhigeren Parkbereichen, die zum Innehalten einladen. Die Stille und Sanftmut die der Park vermittelt, wird durch mehrere Ruheorte thematisiert.

Herstellung der Hauptwegeachse
Anlage der Nebenwege
Befüllung der Gabionne als Hangbefestigung
Anlage der Grabfelder
Pflasterung der Wege- und Platzflächen

Das differenzierte Vegetationskonzept sah einen behutsamen Umgang mit den Bestandsgehölzen vor. Minimale Eingriffe in Form einer sorgfältig abgewogenen Auslichtung geben heute ganz neue Blickbeziehungen über die Stadt frei. Ein Highlight sind die zahlreichen Geophyten, die nach der Schneeschmelze im Frühjahr, den Park in ein farbenprächtiges Meer aus Winterlingen und Krokusse tauchen. Selbstverständlich wurde bei der Auswahl der Pflanzen auf eine pflegeextensive Bewirtschaftung geachtet, die aber die Friedhofsatmosphäre pietätvoll weiterführt und gleichzeitig eine Parkanlage mit hoher Aufenthaltsqualität schafft. Einen weiteren Aspekt stellt das feinabgestimmtes Lichtkonzept dar, welches den Park in den Abendstunden in ein neues Licht taucht. So werden der Vorplatz und das Gebäude akzentuiert und dank der neuen Beleuchtung hervorgehoben. Die vorhandene Beleuchtung im Park wurde durch funktional ergänzt und durch eine akzentuierende Beleuchtung auf eine neue Ebene gesetzt. Insgesamt sorgt das Lichtkonzept in den Abendstunden für eine besondere Stimmung.

Große Steiquader mit Intarsien geben Hinweise zur Geschichte des Ortes (Foto: A. Specht)
Trittplattenwege verlaufen durch Blühwiesen…
… und durch Rasenflächen (Foto: A. Specht)
Sitzstufen laden zum Verweilen ein (Foto: J. Rapp)
Große Platten bilden den Übergang zwischen Wegen und Grünflächen
Vegetationsflächen wurden neu geordnet und ergänzt (Foto: A. Specht)