Rennbahnpark Frankfurt – ökologische Aufwertung und vielfältige Nutzung im Einklang
09. Juni 2026
Der Rennbahnpark in Frankfurt ist ein Projekt, das beispielhaft zeigt, wie sich ökologische Qualitäten sichern, weiterentwickeln und zugleich in eine öffentlich nutzbare Parkanlage integrieren lassen. Als Planungsbüro mit Expertise in der Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur war es unser Anspruch, vorhandene Potenziale nicht nur zu bewahren, sondern gezielt weiterzudenken. Im Zentrum des Parks, auf dem Gelände des ehemaligen Golfplatzes, konnten sich in den vergangenen Jahren ökologisch wertvolle Sandmagerrasen entwickeln. Diese artenreichen Flächen bildeten einen zentralen Ausgangspunkt für den Entwurf. Sie wurden bewusst erhalten und durch die Integration der vorhandenen Sandbunker in das Gesamtkonzept ergänzt. Gleichzeitig wurde der Park so gestaltet, dass vielfältige Nutzungen möglich sind: Eine Calisthenics‑Anlage, ein Spielplatz sowie unterschiedliche Aufenthaltsbereiche schaffen Angebote für verschiedene Altersgruppen und ermöglichen eine aktive wie auch ruhige Nutzung des Parks.

Ein wesentlicher Baustein zur langfristigen Sicherung und ökologischen Aufwertung der Sandmagerrasen ist die Beweidung durch Schafe. Diese Form der Pflege bringt besondere Vorteile mit sich: Sie fördert die Ausbildung vielfältiger Mikrohabitate und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität. Erste Effekte sind bereits sichtbar – unter anderem durch die Ausbreitung der anschaulichen Sand-Grasnelke, einer charakteristischen Sandrasenart.
Dass ein solches Projekt auch potenzielle Nutzungskonflikte und anfängliche Unsicherheiten mit sich bringt, war von Beginn an klar. Umso wichtiger war ein durchdachtes und standortbezogenes Beweidungskonzept als integraler Bestandteil der Planung. Eine enge Abstimmung mit dem Schäfer und sein fachliches Know‑how spielten dabei eine zentrale Rolle. Der alte Pferdestall innerhalb der Parkanlage wird zurzeit noch für die nächtliche Unterbringung der Tiere genutzt. Der anfallende Schafmist lockt dabei zahlreiche Insekten an, die mitunter das Nahrungsangebot für die im Stall brütenden Rauchschwalben und die am Gebäude jagenden Fledermäuse ergänzen.
Grundlage für alle Maßnahmen war eine detaillierte Bestandsaufnahme der Flächen, bei der unterschiedliche Wertstufen definiert wurden. So konnten besonders hochwertige Bereiche gesichert und andere Flächen gezielt entwickelt werden. In ausgewählten Bereichen kam beispielsweise eine Mähgutübertragung zum Einsatz, um die Vegetation ökologisch aufzuwerten und artenreiche Bestände zu etablieren.
Die Beweidung erfolgt zweimal jährlich und wird durch regelmäßige Abstimmungstermine begleitet, in denen Pflege‑ und Beweidungskonzept überprüft und weiterentwickelt werden. Durch die Beweidung in einer bestimmten Vegetationsphase der Pflanzen kann gezielt gesteuert werden, welche Arten gefördert werden sollen, sodass z.B. dominante Gräser früh verbissen und somit im Wachstum gehemmt werden.. Der Rennbahnpark zeigt, dass sich zunächst konträr wirkende Interessen – Naturschutz, Erholung, Nutzung – miteinander verbinden lassen. Die positiven Rückmeldungen der Besucherinnen und Besucher bestätigen, dass durch eine sorgfältige Planung, fachliche Begleitung und kontinuierliche Abstimmung ein nachhaltiger und lebendiger Freiraum entstehen kann.





