Vom Ei zum Falter – Schmetterlingszucht bei bhmp
26. Januar 2026
Im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe engagiert sich bhmp im Rahmen des Artenschutzprojekts (ASP) Schmetterlinge seit mehreren Jahren aktiv für den Erhalt von vom Aussterben bedrohter Falterarten. Ziel des Projekts ist es, gefährdete Arten durch die Anpassung der Nutzung sowie Erstpflegemaßnahmen zu fördern und ihre Bestände langfristig zu sichern. Auf einigen Flächen sind lokale Populationen durch Isolierung oder klimatische Veränderungen eingebrochen und mittlerweile verschollen. Um dem Artensterben entgegenzuwirken, wurde im Jahr 2020 im Zoologischen Stadtgarten in Karlsruhe eine Zuchtvoliere und seit 2025 auch bei bhmp in Bruchsal Zuchtzelte aufgebaut. Diverse Arten sollen somit vermehrt und wieder auf ihren ursprünglichen Populationsflächen angesiedelt werden.


Ein besonderer Schwerpunkt liegt seither auf der Zucht des Goldenen Scheckenfalters (Euphydryas aurinia), einer europaweit geschützten und stark gefährdeten Schmetterlingsart.

Ein Jahr Auriniazucht bei bhmp – Einblicke aus dem Zuchtzelt:
Erwachen im Frühjahr
Nach der Winterruhe zeigten sich an einem sehr warmen Tag im Januar 2025 die ersten Lebenszeichen in den Zuchtzelten in Bruchsal: Zahlreiche Raupen erwachten mit den ersten warmen Sonnenstrahlen und sonnten sich auf den verdorrten Pflanzenresten. Anfang März begannen sie an den frischen Blättern ihrer Hauptnahrungspflanze, dem im Botanischen Garten des KIT Karlsruhe vorgezogenen Gewöhnlichen Teufelsabbiss (Succisa pratensis), zu fressen. Ende März konnten rund 500 überwinterte Individuen gezählt werden. Bald schon schien die Futterquelle erschöpft zu sein, sodass zusätzlich Wilde Karde (Dipsacus fullonum) gefüttert und ebenfalls begeistert angenommen wurde.


Wachstum und Verpuppung
Bereits Anfang April waren die Raupen auf etwa drei Zentimeter herangewachsen. Kurz darauf begann die Verpuppungsphase – teils an Stängeln, teils an Topfrändern oder sogar an den Käfigwänden.
Am Karfreitag 2025 schlüpfte der erste Falter – trotz kühler Temperaturen ein besonderer Moment für das gesamte Team. In den folgenden Tagen erschienen weitere Tiere und bald konnten die ersten Paarungen beobachtet werden.




Umsiedlung in den Zoo und Freilassung in die Natur
Am 29. April 2025 wurden 51 Falter, 15 Raupen und 30 Puppen in die vorbereitete Voliere des Zoologischen Stadtgartens Karlsruhe gebracht, wo es nach der Nektaraufnahme, u.a. an Tauben-Skabiosen (Scabiosa columbaria), auch zu Paarungen kam.
Kurz darauf folgte ein bedeutender Schritt für das Projekt: 42 Falter konnten mit einer Ausnahmegenehmigung im Naturschutzgebiet „Korbmatten – Im Mäthi“ im Landkreis Rastatt freigelassen werden – bei sonnigem, windstillem Wetter und besten Bedingungen für ihren Neustart in der Natur.





Eine neue Generation entsteht
Anfang Mai wurde in Bruchsal ein größeres Flugzelt errichtet, das den Tieren mehr Raum zum Fliegen bot. Bis dahin waren 118 Falter geschlüpft. Schon ab dem 5. Mai konnten Eiablagen beobachtet werden: Die Weibchen legten ihre Eigelege geschickt unter den dichten Rosettenblättern des Teufelsabbiss ab. Zwischen dem 5. und 12. Juni schlüpften daraus die ersten winzigen Raupen – der Beginn einer neuen Generation.


Sommerleben und Vorbereitung auf den Winter
Die Jungraupen entwickelten sich rasch und legten bald ihre ersten Gespinste an, die sich bis Ende Juni über mehrere Pflanzen hinweg ausdehnten. Aufgrund der trockenen Witterung mussten die Töpfe fast täglich gewässert werden, damit die Wurzelballen der Topfpflanzen, die in der freien Landschaft eigentlich in Nasswiesen vorkommen, nicht vollständig austrockneten.
Bis Ende Juli konnte man die Raupen noch in großen Gruppen beim Fressen und Sonnen beobachten, ehe sie sich – mit dem einsetzenden Regenwetter – in ihre Überwinterungsgespinste zurückzogen.



Anfang September wurden schließlich drei Töpfe mit Succisa-Pflanzen und mehreren Gespinsten in das Naturschutzgebiet Korbmatten gebracht. Die Standorte wurden markiert und mit dem Landschaftserhaltungsverband abgestimmt, damit die Bereiche bei der Mahd ausgespart bleiben.


Herbst 2025 – Warten auf den Frühling
Im Oktober waren die Gespinste in Bruchsal noch deutlich sichtbar, während andere gut getarnt in der Streuschicht lagen. Einige wenige Raupen waren noch aktiv, doch der Fraß hatte merklich nachgelassen – ein sicheres Zeichen, dass die Tiere sich auf die Winterruhe vorbereiten.
Nun hoffen wir auf eine erfolgreiche Überwinterung – sowohl in unseren Volieren in Bruchsal als auch im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe – und sind gespannt auf das Wiedererwachen im Frühjahr.
Mehr zum Projekt ASP Schmetterlinge finden Sie hier.