
Von der Spenderfläche zur Blütenpracht – Naturschutz in Aktion
08. August 2025
Im Rahmen der Entwicklung artenreicher FFH-Mähwiesen wurden Anfang August potenzielle Spenderflächen befahren, um gebietseigenes Mahdgut zu gewinnen. Ziel dieser Maßnahme ist es, die standorttypische Vegetation gezielt zu fördern und wertvolle Offenlandlebensräume wiederherzustellen. Besonders im Fokus stehen sogenannte wertgebende Arten, die als Kennzeichen intakter Mähwiesen gelten: Teufelsabbiss (Succisa pratensis), Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Wiesen-Ziest (Stachys officinalis), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) und Wiesen-Silau (Silaum silaus). Diese Pflanzen sind nicht nur optisch reizvoll – sie sind essenziell für die Biodiversität und dienen als Nahrungsquelle und Lebensraum für zahlreiche Insektenarten, darunter seltene Schmetterlinge und Wildbienen.
FFH-Mähwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas und stehen unter besonderem Schutz durch das europäische Schutzgebietsnetz „Fauna-Flora-Habitat“ (FFH). Baden-Württemberg trägt eine besondere Verantwortung für die Erhaltung und nachhaltige Förderung dieser ökologisch wertvollen Wiesen. Ein typisches Beispiel ist die Flachland-Mähwiese (Lebensraumtyp 6510), die durch traditionelle, extensive Bewirtschaftung entstanden ist – meist zweimalige Mahd pro Jahr und weitgehend ohne Düngung. Der Fortbestand dieser Lebensräume hängt maßgeblich von einer angepassten Nutzung ab: Erfolgt die Mahd zu früh oder zu intensiv, verschwinden die charakteristischen Blütenpflanzen.
Die Mähgutübertragung hat sich als naturschutzfachlich bewährte Methode etabliert: Durch das Ausbringen von frisch geerntetem Mahdgut auf geeigneten Empfängerflächen können Zielarten erfolgreich etabliert und die Vegetationsentwicklung gezielt gelenkt werden. So entsteht nach und nach ein Mosaik aus blühenden Wiesen, das nicht nur ökologisch wertvoll ist, sondern auch zur Vielfalt und Schönheit unserer Kulturlandschaft beiträgt.
Ende August/Anfang September ist die Ernte und Übertragung des Mahdguts geplant. In den Folgejahren findet dann ein Monitoring statt, um die Entwicklung der neuen Lebensräume zu beobachten und ggf. durch Anpassung der Mahd oder Nachsaht steuern zu können.
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