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09. Februar 2019  Quelle: Schwäbisches Tagblatt (Steinlach-Bote)

Der Parkplatz rückt an den Rand

Einer der schönsten Plätze Gomaringens ist derzeit vor allem Abstellfläche für Autos. Dass der Schlosshof dafür eigentlich zu schade ist, dass aber andererseits Parkplätze ein großes Thema sind – mit diesem Dilemma mussten sich die drei Wettbewerber um die Gomaringer Ortsmitte auseinandersetzen. Besonders gut gelöst hat das nach Ansicht der Jury die BHM Planungsgesellschaft. Sie rückte in ihrem Entwurf die Parkflächen an den Rand und schuf so einen durchgängigen natursteingepflasterten Platz von der Bibliothek bis zur Schlossbrücke. Besonders gut gefiel der Jury, dass zugleich ein direkter Bezug zwischen Ratsfabrik und Schloss entsteht. Verschiedenfarbige Steine lockern den Belag auf, die Entwässerungsrinnen sind zugleich Gestaltungselement. Großformatige und griffige Steine sollen dafür sorgen, dass auch Rollstuhlfahrer hier keine Probleme haben, betonte der Jury-Vorsitzende und Stuttgarter Architekt Wolfgang Schreiber.

Busstopps in der Ortsmitte

Die Gehwege der Lindenstraße sind in einfacherem Betonpflaster gehalten, vor der Bibliothek und beim Dienstleistungszentrum entstünden nach dem BHM-Entwurf Bushaltestellen. Schreiber war in jüngster Zeit viel in Gomaringen unterwegs und hat beobachtet, wie viele Kinder mit dem Elterntaxi zum Musikunterricht im Schloss kommen. „Es wäre schön, wenn einige von ihnen mit dem Bus fahren würden."
Wie mehrfach berichtet, hat die Gemeinde einen Planungswettbewerb gestartet, weil sie die zentralen Abschnitte der Linden- und Bahnhofstraße neu gestalten möchte. Betreut wird die Sanierung von der Wüstenrot Haus und Städtebau GmbH. Das Stuttgarter Büro Schreiberplan agiert als Berater. Jetzt präsentierte Wolfgang Schreiber die Jury-Entscheidung im Gemeinderat.
Die sieht so aus, dass die Juroren – unter ihnen auch Gemeinderäte – zwei „richtig gute  Entwürfe" ausgemacht haben, aber von keinem vollständig überzeugt waren, sondern jeweils nur von der Hälfte. BHM, ein Planungsbüro mit neun Niederlassungen unter anderem in Nürtingen, ist Favorit beim Schlosshof und bei der Lindenstraße. Das Reutlinger Landschaftsarchitekturbüro Dreigrün Gross und Partner hatte die besten Ideen für die Bahnhofstraße. Die Dreigrün- Planer schlagen vor, die Fahrbahn auf das Minimum von 6,50 Metern zu reduzieren und so Platz für Gehwege und Senkrecht-Parkplätze zu schaffen. Strukturiert wird die Straße durch Dreier-Ensembles aus Zierkirschbäumen. Sie bremsen zugleich den Verkehr, der momentan noch ziemlich ungehindert durchbrausen kann. Den Vorschlag, auch die zurückgesetzten und etwas höheren Geschäftseingänge auf Straßenniveau zu bringen und dafür die Straße keilförmig anzuheben, fand Schreiber durchaus interessant. „Ich glaube, dass es machbar sein könnte. Wir sind uns aber nicht sicher." Allerdings würde er zu der aufwändigen Prozedur nur dann raten, wenn das niedrige Kreissparkassengebäude noch lange erhalten bleibt. Angesichts der großen Nachbarbauten äußerte Schreiber daran Zweifel.
Geprägt wird die Bahnhofstraße vor allem durch das hohe Naturana- und seit Kurzem auch durch das Kreisbau-Gebäude. Wenngleich städtebaulich „nicht so glücklich", sei Naturana doch ein Identitätspunkt, sagte Schreiber und verwies auf die dortigen Arbeitsplätze. Dass keiner der Planer sich die Mühe gemacht hat, eine gute Lösung für die Firmeneinfahrt zu finden, monierte er. „Da muss man ein bisschen auf die Zehen treten", deutete er an.
Grundlegende Details hat die Wüstenrot bereits überprüft – etwa, ob mindestens so viele Parkplätze wie bisher enthalten sind. Noch unklar ist, inwieweit Privatleute mitmachen möchten. Schreiber könnte sich hier gewisse finanzielle Anreize vorstellen. Er nannte als Beispiel die Mauer neben der ehemaligen Bahnhofs-Gaststätte, die den Blick aufs Dienstleistungszentrum versperrt. „Das ist ein Punkt, wo man mit den privaten Eigentümern reden muss."

Mit oder ohne neue Bäume?

Bei den Entwürfen sind viele Details noch offen – nicht nur die, die von Behörden und Privatleuten abhängen. Wolfgang Schreiber etwa ist sich nicht so sicher, ob er wirklich zwei neue Bäume im Schlosshof pflanzen würde oder ob der Platz ohne besser wirkt. „Das müsste man historisch betrachten." Wenn es soweit ist, würde er ein Arbeitsmodell im Maßstab 1:200 bauen. Im nächsten Schritt, so beschloss es der Gemeinderat, soll die Verwaltung mit dem Landratsamt über mögliche Bushaltestellen reden und sich um eine Lösung für den Busverkehr In der Stelle kümmern. Probleme damit haben auch Bürger immer wieder moniert. „Das ist eine brenzlige Ecke", sagte Bürgermeister Steffen Heß.

Entwürfe derzeit im Rathaus ausgestellt

Noch bis zum 19. Februar sind die Arbeiten im Rathaus zu sehen. Wolfgang Schreiber wird die Entwürfe bei der Einwohnerversammlung am 21. Februar vorstellen. Rückmeldungen kommen in den Märzsitzungen von Bauausschuss
und Gemeinderat zur Sprache. Die Ortsmitte wird in Etappen neu gestaltet. „Es kann nicht alles auf einmal kommen", betonte
Bürgermeister Steffen Heß. Statt dessen möchte die Gemeinde das Projekt „schrittweise umsetzen im Rahmen dessen, was
der Haushalt hergibt." Einen Zeitplan gibt es noch nicht, aber eine Reihenfolge. Als erstes steht ein drittes Stockwerk fürs Parkhaus auf der Agenda, gefolgt zunächst von Schlosshof und Lindenstraße und erst dann von der Bahnhofstraße.