22. Juni 2017  Quelle: Nürtinger Zeitung / Wendlinger Zeitung

Weitläufiger Platz mit hoher Aufenthaltsqualität

Nürtinger Gemeinderatsausschuss beauftragt Wettbewerbssieger mit tiefergehender Planung zur Neugestaltung des Schillerplatzes

Das Nürtinger Planungsbüro belegte im Wettbewerbsverfahren unter fünf Planungsbüros den ersten Platz. Der diplomierte Landschaftsarchitekt Professor Sigurd Karl Henne stellte das Konzept im Ausschuss vor. Dessen zentrale Elemente sind ein tiefer gelegter Ochsenbrunnen und ein abgesetzter Platz rund um die Kreuzkirche. Ein Teil der schattenspendenden Bäume an der Kirche soll erhalten bleiben, in Richtung der benachbarten Buchhandlung sollen jedoch auch einige Bäume weichen, um die Kirche besser zur Geltung zu bringen. Außerdem sei dann Platz für eine kleinere mobile Bühne und auch die Werbetafel für Veranstaltungen in der Kreuzkirche könne besser wahrgenommen werden. Der Absatz an der Kreuzkirche und dessen Pflasterung, zwar im gleichen Granitmaterial wie schon beim ersten Bauabschnitt, aber mit anderer Plattengröße und Verlegungsmuster, schaffe einerseits eine klare Platzkante, andererseits wirke er verbindend mit dem hinter der Kirche liegenden Jorderyplatz.

Den Standort des Brunnens erachten die Planer als nicht optimal. Er sollte mehr ins Zentrum der Sichtachsen gerückt werden, also der Straßenzüge, die auf den Platz münden. Vor allem aber wirke der Brunnen zu dominant, was den Platz klein mache. Er sei zwar mittlerweile charakteristisch und identitätsstiftend, doch um den Eindruck eines weitläufigen Platzes zu bekommen, sollte der Brunnenrand abgesenkt werden. Auch die Erlebbarkeit des Wassers wird erhöht. Henne schlägt vor, außerhalb der Geschäftszeiten das Brunnenfeld auf eine größere Fläche zu erweitern, auch ein Fontänenfeld wäre vorstellbar.

Rund um den Platz sollen mobile Sitzelemente aus Holz und entsprechend zum Bodenbelag Granitblöcke zum Verweilen einladen. Die Sitzelemente können umgruppiert und zu kleineren oder größeren Gruppen kombiniert werden, bei Bedarf auch zu einem kleinen Podest für Aufführungen. Entlang der Geschäfte soll zurückhaltend beleuchtet werden, die prägenden Elemente wie die Kirche, die Platzkante und der Ochsenbrunnen sollen mit entsprechender Beleuchtung betont werden. Die Planung stieß im Ausschuss im Allgemeinen auf breite Zustimmung. Dem ist wohl auch der Umstand geschuldet, dass es vor und zwischen den verschiedenen Bearbeitungsphasen während des Wettbewerbs immer wieder einen Austausch mit der Verwaltung und der eingesetzten Bewertungskommission gab. Norbert Morgenthaler (CDU) befand die Platzkante und das Anheben des Platzniveaus rund um die Kirche als gelungene Idee, Räume zu verbinden. Für das Areal vor der Volksbank wünscht er sich aber noch eine intensivere Bearbeitung, um dessen Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Auch Raimund Braun (NT 14) bezeichnete die Planung mit der Höherlegung als gelungen, ebenso die Brunnengestaltung, wobei er aus Kostengründen anmerkte: „Für uns ist noch fraglich, ob es unbedingt ein Fontänenfeld braucht." Bernhard Schober (SPD) fand ebenfalls lobende Worte und sprach sich ausdrücklich für ein Fontänenfeld aus.

Elemente der Planung: ein flacher Ochsenbrunnen, eine teils freigestellte Kreuzkirche und eine Raumkante, die Schillerplatz und Jorderyplatz verbindet. Visualisierung: BHM Planungsgesellschaft mbH

Bürgerinformation für den 17. Juli geplant

Kosten führten auch Claudia Himmer und Bernd Sackmann (Nürtinger Liste/Grüne) als Grund an, warum sie bei der Beschlussfassung mit Nein stimmen. Fraktionsvorsitzende Himmer beteuerte: „Auch wir finden die Planung gelungen, doch wollen wir sie zu Gunsten anderer Vorhaben wie zum Beispiel dem Hölderlinhaus noch zurückstellen."

Dr. Otto Unger und Achim Maier (Freie Wähler) plädierten für eine zügige Verwirklichung. Unger bat darauf zu achten, dass bei der Gestaltung keine problematischen Wegebeziehungen entstehen. Maier brachte die Frage eines öffentlichen WCs in die Diskussion ein. Oberbürgermeister Heirich dazu: „Wir werden in eine der nächsten Sitzungen mehrere Varianten dazu vorstellen." Bei zwei Gegenstimmen wurde das Büro mit einer vertieften Planung beauftragt. Zunächst aber sollen die Pläne, auch die der anderen Wettbewerbsteilnehmer, bei einer Informationsveranstaltung am 17. Juli der Bürgerschaft vorgestellt werden. Beabsichtigt ist dann, eine ausgearbeitete Planung noch vor der Winterpause im Gemeinderatsgremium zu präsentieren und möglichst im Winter die Bauleistungen auszuschreiben.