13. April 2017  Quelle: Schwetzinger Zeitung

Mit Brotkrumen geht's zurück ins Gehege

Die 20 Burenziegen an den Dünen sind zum ersten Mal ausgebrochen / Viktor Gretz hat sie nach zehn Minuten wieder eingefangen

OFTERSHEIM.

„Das ist die Übeltäterin", sagt Viktor Gretz und zeigt auf eine der Ziegen. Die Tiere mit dem weiß-braunen Fell lassen sich aber nicht stören, sondern knabbern beflissen weiter an den Zweigen. Die Ziege, auf die Gretz deutet, ist nämlich kurz vorher durch den Zaun geschlüpft und hat die Herde angestiftet, es ihr gleich zu tun. Die Burenziegen sind seit vergangener Woche in ihrem Gehege an den Dünen (wir berichteten). Dort sollen sie die Vegetation abknabbern, damit mehr Licht an den Boden gelangt und eine Sandrasenvegetation entstehen kann. Ausbrechen konnten die Tiere nur, weil der Strom abgestellt war, denn Viktor Gretz, der von der Weidefirma Herbana kommt und die Tiere betreut, überprüft an diesem Vormittag den Zaun.

„Gestern bekam ich nämlich einen Anruf von Bürgermeister Jens Geiß, dass die Ziegen ausgebüchst seien", berichtet der 36-Jährige. Er sei dann sofort zum Gehege gefahren. Im Gestrüpp beim Kleintierzuchtverein wartete die Herde bereits - umstellt von drei Polizeibeamten.

„Die hatten bestimmt ihren Spaß", muss Gretz bei der Erinnerung schmunzeln. Er habe die Herde dann mit Brot und Äpfeln wieder zurück ins Gehege gelockt. „Das hat zehn Minuten gedauert", erklärt der Tierfreund. Angesprochen habe er die Ziegen mit „Mädels". Denn die 20 Tiere sind alle weiblich.

Strom wurde abgeleitet

Aber wieso konnten die Ziegen überhaupt aus ihrem Gehege ausbrechen? „An der einen Stelle haben wir einen morschen Baum gefunden, der auf den Elektrozaun gefallen war", macht Viktor Gretz klar, „durch den wird der Strom in den Boden abgeleitet." Da Ziegen von Natur aus neugierig seien, würden sie ab und an mal testen, ob der Zaun noch genug Strom führe. „Wenn es nicht mehr allzu sehr weh tut, dann sind die da nicht so empfindlich, wenn es auf der anderen Seite Futter gibt", so Gretz. Dann schlüpfen sie zwischen den vier unter Strom stehenden Schnüren hindurch.

Vermutlich, so der Betreuer der Tiere, sei auch ein Hund in den Weidebereich gelangt und habe die Ziegen zusätzlich zum Ausbrechen getrieben. „Einer der Pfosten war an anderer Stelle wieder in den Boden gerammt als am Vortag und der Zaun war auch ein wenig locker, so dass ich vermute, dass ein Hundebesitzer sein Tier aus dem Gehege geholt hat", meint Gretz.

Deshalb appelliert er an alle Spaziergänger, ihre Hunde im Bereich des Geheges anzuleinen. Auch um die Hunde zu schützen. Denn wennhier nachdem die Ziegen weg sind, Esel weiden und die nach ihnen ausschlagen, kann das unangenehme Folgen haben", so der Tierfreund. Wahrscheindlich haben die Ziegen außerdem Futter gesucht. In dem Teil des Geheges, das sie zur Eingewöhnung bewohnen durften, ist mittlerweile alles kahl. Die Zweige der spätblühenden Traubenkirsche haben keine Blätter mehr und die Brombeerranken winden sich nackt über den Boden. „Deshalb haben wir den Bereich jetzt erweitert und den Ziegen steht nun der komplette Hektar zur Verfügung", erklärt Viktor Gretz. So haben die Tiere wieder frisches Grün unter der Nase.

Ist der Hektar abgegrast, geht es in die nächste Weidefläche. „Ich rechne damit, dass es zwei bis drei Wochen dauert, bis die Ziegen mit der jetzigen Fläche fertig sind", schätzt Viktor Gretz. Dann kommen vermutlich die bereits erwähnten Esel, um die Arbeit zu vervollständigen.

Der beste Zaun hilft nicht

Und was kann man tun, um sicherzustellen, dass die Ziegen nicht mehr ausbrechen? „Da hilft im Grunde der beste Zaun nichts", meint Gretz und schaut auf die neugierigen Tiere. Er schaut allerdings jeden Tag nach ihnen, um sicherzugehen, dass es ihnen an nichts fehlt und alle wohlbehalten sind.

„Denn die Ziegen brauchen auch eine Bezugsperson", erklärt er. Für Notfälle steht seine Telefonnummer am Zaun. So können die Waldspaziergänger Hilfe holen, sollte dies notwendig sein. Die Ziegen freuen sich allerdings auch über anderen menschlichen Besuch, jedoch nicht über die Fütterung mit Essensresten. Denn für ausgewogene Ernährung sind die Experten zuständig.

Vielleicht gibt es demnächst sogar einen ziemlich niedlichen Grund, mal bei den frechen Ausbüchsem vorbeizuschauen. Denn einige der „Mädels" könnten Nachwuchs erwarten.

Ein Video und noch mehr Fotos von den Ziegen finden Sie unter www.schwetzinger-zeitung.de