26. Oktober 2016  Quelle: Badische Zeitung

Millionen fürs Ökokonto

Gemeinderat beschließt Verordnung „Lichter Wald" / Umbau zum Schonwald dauert Jahre

Der Umbau einer Waldfläche im nördlichen Taubergießen zum Schonwald wird sich zwar über Jahre hinziehen, soll der Gemeinde aber mehr als sechs Millionen Punkte für das Ökokonto bringen. Damit wäre die Gemeinde auf lange Zeit mit genügend Ökopunkten versehen, um Ausgleich zu bieten für Bauprojekte. Einstimmig beschloss der Gemeinderat am Montag die Verordnung für den Schonwald „Lichter Wald", der den Umbau und die Bewirtschaftung regelt.

Bernhard Ihle, der Leiter des Forstamts Lahr, erläuterte zunächst, dass die Bewirtschaftung eines solchen Schonwaldes über eine Verordnung geregelt werden müsse. Die Offenlegung der Verordnung habe insgesamt 26 Stellungnahmen gebracht, es seien jedoch nur marginale Änderungen nötig gewesen. Das Gebiet, nördlich von Kappel gelegen und westlich des Ellenbogenwaldes, umfasse insgesamt 88 Hektar, vom Umbau betroffen seien 62 Hektar. Beim Umbau achte man besonders darauf, historische Waldbilder wieder zu schaffen, sogenannte Mittel-und Hutewälder mit lichten Beständen.

Dazu soll der Anteil der Eiche, der derzeit bei sechs Prozent liege, langfristig auf 25 Prozent erhöht werden. „Das ist ein ehrgeiziges Ziel", sagte Ihle, das mit Pflanzungen in Trupps erreicht werden soll. Dazu soll auch die historische Waldnutzung wieder eingeführt werden mit regelmäßiger Auslichtung des schwächeren Unterholzes alle vier bis sechs Jahre. Altholz- und Totholzinseln sollen angelegtwerden bis hin zur Schaffung von drei Waldrefugien mit zusammen einer Fläche von 5,8 Hektar.

All das könne insgesamt über 6,4 Millionen Ökopunkte bringen, erläuterte Jochen Bresch vom Planungsbüro Bresch-Henne-Mühlinghaus. Mehr als fünf Millionen Punkte erreiche man durch den Umbau des Walds und der Schaffung von Biotopen. JeweUs etwa 100000 Punkte seien jedoch auch möglich, wenn es gelinge, für bestimmte Arten ihren Lebensraum zu verbessern oder neu zu schaffen. Bresch nannte hier explizit den Laubfrosch, für den mehrere flache Tümpel in kiesigen Bereichen angelegt werden sollen, und den Wendehals, ein Specht, der mit bis zu elf Paaren wiederangesiedelt werden soll. Bresch betonte jedoch auch, dass es zu Beginn nur 20 Prozent der Ökopunkte gebe und erst bei Erfolg und Nachweis des erreichten Ziels die restlichen 80 Prozent.

Das war der Punkt, an dem Tobias Manz (CDU) einhakte: „Wer garantiert denn, dass der Wendehals tatsächlich kommt? Und dann auch noch gleich mit elf Paaren." Er sah „viel Fiktion" in den Plänen, vor allem, was die erforderlichen Populationen der Tiere betraf. Bresch antwortete: „Das war genau die Kritik, die insgesamt an der Ökopunkt-Verordnung geäußert worden ist." In diesem Fall müsse man unterscheiden zwischen der Schaffung von bestimmten Waldbildern . und den Tierpopulationen. „Es sind die Waldbestände, die das Gros der Ökopunkte bringen." Beim Laubfrosch gebe es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er sich ansiedle, weil es ganz in der Nähe schon Tiere gebe. Der Wendehals dagegen sei ein Zugvogel: „Der kommt jedes Frühjahr vorbei und zieht weiter oder nicht."

Weitere Fragen von Manz und Clemens Sedler (CDU) betrafen den Stand des Ökokontos und einen Vergleich, wie viele Punkte man für ein Baugebiet brauche. Revierförster Bernhard Göppert antwortete, dass das Ökokonto etwa 750 000 Punkte aufweise. Die zweite Frage beantwortete Bresch: „Wie viele Punkte man braucht für ein Baugebiet ist sehr unter-schiedUch, je nachdem, was verloren geht. Bei einem Verlust von einem Hektar Ackerland für ein Gewerbegebiet .benötigt man etwa 200000 Punkte." Bürgermeister Jochen Paleit fügte dem hinzu, dass man über 50 Hektar Ackerland in Streuobstwiesen umwandeln müsste, um die 6,4 Millionen Ökopunkte zu erhalten.