02. Juni 2016  Quelle: Badische Zeitung

Wilde Rinder ersetzen die Motorsäge

Wilde Weiden und Entwicklung von Gemeindewald in Schonwald standen im Zentrum einerWaldbegehung in Kappel-Grafenhausen

KAPPEL-GRAFENHAUSEN. Zwei Vorhaben standen im Zentrum einer Waldbegehung, zu der die Gemeinde eingeladen hatte: zum einen das Projekt Wilde Weiden, zum anderen die Umgestaltungmancher Waldflächen zu Schonwäldern. Gut 50 Zuhörer hatten sich am Montagabend am Treffpunkt Schollenhütte eingefunden. Gleich beim ersten Halt konnten Regina Ostermann vom Landschaftserhaltungsverband, die das Projekt Wilde Weiden koordiniert, sowie Jürgen Neumaier vom Amt für Landwirtschaft auf ein Jahr zurückblicken, in dem sich die Rinderherde gut eingelebt und fleißig für Nachkommenschaft gesorgt hat. So habe sich die Herde der Salers-Rinder von ursprünglich zwölf Tieren auf jetzt schon 24 Tiere vermehrt. Dazu seien kürzlich noch drei polnische Kleinpferde gestoßen. „Die Pferde sind für die Rinder keine Nahrungskonkurrenz, sondern bedeuten für das Gelände eine Ergänzung, weil sie ganz andere Pflanzen fressen als die Rinder", sagte Jürgen Neumaier.

Ein Schonwald bringt der Gemeinde Ökopunkte

Regina Ostermann betonte, dass aufgrund desWachstums der Herde im Sommer ein zusätzliches zehn Hektar großes Gelände den Wilden Weiden zugeschlagen werden soll. Ziel des Projektes sei, mit der Beweidung Nachhaltigkeit und einen geschlossenen Nährstoffkreislauf zu schaffen. Durch den Einfluss der Tiere, durch ihrenDung und ihre Trittspuren erhoffe man sich eine erhöhte Artenvielfalt, sagte Ostermann. „Fauna und Flora verändern sich, unter anderem fressen die Rinder auch die Goldrute." Das Projekt werde weiterhin von einem Fachbüro wissenschaftlich begleitet. Bürgermeister Jochen Paleit fügte hinzu, dass für den Herbst erste Ergebnisse erwartet werden.

Ein paar Hundert Meter weiter den Wald hinein erläuterten Jochen Bresch vom Planungsbüro Bresch-Henne-Mühlinghaus und Forstamtsleiter Bernhard Ihle, wie einige Flächen des Waldes zu einem Schonwald umgewandelt werden sollen, um dadurch eine ganze Menge von Punkten für das Ökokonto zu erhalten. So sei zum Beispiel geplant, ehemalige Kiesentnahmestellen mit Weiden zu bestocken. In anderen Flächen müssten eh die Eschen, die vom Eschentriebsterben betroffen seien, heraus genommen werden. Auch die Flächen, die nach Fertigstellung des Polders Elzmündung immer wieder von den ökologischen Flutungen betroffen seien, müssten waldtechnisch umgebaut werden.

Bernhard Ihle gab zum Beispiel dem Ahorn kaum Chancen zum Überleben. Hier könnte man einen lichten Eichen-Ulmen-Wald entwickeln. Den Unterbewuchs könne man entweder mit der Motorsäge entfernen, was relativ teuer sei, oder die Rinder in diesen Teil des Waldes lassen: „Das spart Kosten und nährt die Tiere." So könnte ein Schonwald entstehen. Anhand eines Fotos zeigte Bresch, wie das aussehen könnte, wenn die Rinder einmal im Rheinwald äsen: „Durch die Auswirkungen des Polders kann eh keine Waldbewirtschaftung wie in den letzten 40 Jahren betrieben werden. Wenn sie den Wald jetzt umbauen, bekommen Sie dafür noch Ökopunkte."

Eine Nachfrage von Gemeinderat Frank Andlauer zu den Ulmen, die doch vom Ulmensterben betroffen seien, beantwortete Ihle: „Wir wollen die Flatterulme einbringen, die ist gegenüber dem Pilz resistenter."