06. Dezember 2013  Quelle: http://www.badische-zeitung.de/

Neue Therapie für den Dauerpatienten Gifizsee

OFFENBURG (ges). Um die Wasserqualität des Gifizsees langfristig zu sichern, will die Stadt wie berichtet für 250 000 Euro ein Filterbecken anlegen lassen. Im Wirtschaftsplan 2014 der Technischen Betriebe Offenburg wird die Summe berücksichtigt. Zunächst werden aber nur 20 000 Euro für die Planung freigegeben werden, die im Frühjahr vorliegen soll. Die SPD stimmte im Technischen Ausschuss am Mittwoch gegen das Vorhaben.

Es brummt am See: 62 000 Besucher konnte Strandbadpächter Dirk Hesse diesen Sommer begrüßen, 18 000 mehr als im Vorjahr. Wenn das Kombibad in den Jahren 2015 und 2016 gebaut wird, steht den Offenburgern lediglich der ehemalige Baggersee bei Uffhofen als Freibad zur Verfügung. Die 100 000er Marke könnte dann geknackt werden – zu Lasten des Sees. Steffen Letsche, zweiter Betriebsleiter der TBO, rechnet mit Auswirkungen auf die Wasserqualität. Um dieses Szenario zu verhindern, wurde die Planungsgesellschaft Bresch Henne Mühlinghaus (bhm) ins Boot geholt, die nach Aussage ihres Geschäftsführers Jochen Bresch Gewässerkunde (Limnologie) zu ihren Schwerpunkten zählt. Um die Wasserqualität zu sichern, müssten die Phosphateinträge vermindert werden: "Das ist das A und O", erklärte Bresch. Phosphat fördert das Wachstum von Algen. Es lagert in den Sedimenten am Seegrund, steckt aber auch im nachfließenden Grundwasser. Mit der bereits erprobten Tiefenwasserabsaugung erwische man zum einen nicht unbedingt das phosphathaltige Wasser, zum anderen werde dadurch ein verstärkter Grundwasserzufluss bewirkt, der weiteres Phosphat in den See bringe. Ein Filter hingegen entnehme lediglich den Stoff und führe sauerstoffreiches Wasser in den See zurück, so Bresch. Der Landschaftsarchitekt schlug zudem "flankierende Maßnahmen" wie die Schaffung von Flachwasserzonen, das Auslichten von Ufergehölz und einen Graben zwischen Streichelzoo und See vor. Mit einem "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen" kommentierte Bürgermeister Oliver Martini das Dauerthema. Der Stadt sei wichtig, eine Lösung zu finden, wonach sich der See künftig "selbst reparieren kann". Kurt Feger (CDU) wertete den Verwaltungsvorschlag als "richtige Lösung". Dem Fraktionsvorsitzenden war wichtig, zunächst lediglich das Geld für die Planung zuzusichern – in diesem Punkt stimmten die übrigen Fraktionen mit ihm überein. Außerdem forderte Feger die TBO auf, bereits jetzt mit der Gehölzentfernung im Uferbereich zu beginnen. Dass hier nicht schon längst etwas geschehen sei, monierte Heinz Hättig (SPD). Die Einrichtung eines Filters sieht er nach Internetrecherchen skeptisch: "Die Maßnahme mag nicht falsch sein", so Hättig, eine Viertelmillion sei aber auch ein "erheblicher Betrag". Andererseits bestehe jetzt Zugzwang. Auf Nachfrage von Uta Maria Klingenberger (Grüne) erläuterte Bresch, dass sich die "noch neue Technik" erst seit einigen Jahren als "gangbarer Weg" erwiesen habe. Wolfgang Schrötter (Freie Wähler) brachte die Folgekosten ins Spiel und fragte ebenfalls, warum der Uferbereich noch immer nicht "komplett ausgelichtet" sei. Dass der Filter auf lange Sicht "das Ei des Kolumbus" darstelle, bezweifelte Klaus Binkert (CDU). Ihm war wichtig, dass auch auf die Trinkwasserqualität geachtet werde. Jochen Ficht (SPD) verstand nicht, warum schon wieder Neues ausprobiert werden soll und verwies auf die vielen bisherigen Gutachten. Martini betonte: "Wir wollen ein System entwickeln, das sich selber trägt." Bisher habe man noch nicht die richtige Maßnahme gefunden."