21. August 2013  Quelle: Wochenblatt Region Bruhrain

Verdolung ist nicht zulässig

Wagbachverlegung mit Einschnitten und Möglichkeiten

Waghäusel.

Der Gemeinderatsbeschluss zur Verlegung des Wagbachs führte in jüngster Zeit zu teilweise emotionsgeladenen Diskussionen. Um Fehlinformationen und Gerüchten entgegen zu wirken, sahen sich die Gemeinderatsfraktionen der SPD und der freien Wähler veranlasst eine Informationsveranstaltung mit Ortsbegehung zu organisieren. 

Bereits 2004 war im Zuge von Straßenbaumaßnahmen das unterirdische Sandsteingewölbe des verdolten Wagbachs im Gewerbepark Eremitage eingebrochen. Im Rahmen der Schadensbegutachtung wurde damals festgestellt, dass verschiedene Stellen der Gewölbeprofile mit erheblichem finanziellen Aufwand dringend saniert werden müssten. 

Entsprechend neuerer gesetzlicher Bestimmungen müssen aber verdolte Bäche bei Sanierungsbedarf freigelegt werden. Eine Verdolung ist grundsätzlich nicht mehr möglich, erläuterte Landschaftsarchitekt Jochen Bresch den interessierten Bürgern. Damit bliebe zum einen die Option, den Wagbach innerhalb des Gewerbegebiets offen zu legen. Dies hätte aber den Verlust von rund 11.000 Quadratmeter Gewerbefläche zur Folge-, eine sinnvolle Nutzung der Gewerbegrundstücke wäre in weiten Teilen nicht mehr möglich. 

Eine weitere Überlegung war, den Wagbach innerhalb des Gewerbegebiets zu verlegen, was aber am Denkmalschutz scheiterte. 

Bereits im Frühjahr ergaben Baugrunduntersuchungen dass bei einer Verlegung entlang der historischen Außenmauer, als weiterer Option, entweder eineSpundwand 17 Meter tief eingeschlagen oder alle acht bis zehn Meter Queraussteifungen über den Wagbach ausgesteift werden müssen um die Ufer zu befestigen. Schäden an eben der Mauer konnten dabei nicht ausgeschlossen werden. Um mögliche und hohe Folgekosten zu vermeiden, entschied man sich gegen diese Variante. 

Deshalb wurde weiter nach einer kostengünstigeren und umweltfreundlicheren Alternative gesucht. Diese besteht jetzt darin, dass auf die Spundwände verzichtet und der Wagbach südlich des Kirrlacher Tors mit natürlichen Böschungen ausgebaut wird. Hierfür werden zusätzliche Geländestreifen westlich des Martin von Cochem Hauses benötigt was der Abbruch des weitgehend ungenutzten Saftladens östlich der geplanten Wagbachstraße erforderlich macht. 

Nach zahlreichen Sitzungen des Gemeinderats und der betroffenen Ausschüsse wurde im Juni mit 17 Ja- und drei Nein-Stimmen bei fünf Enthaltungen die Offenlegung des Wagbachs südlich des Kirrlacher Tores mit natürlichen Uferböschungen beschlossen. Bei der verabschiedeten Variante sind Kosteneinsparungen von fast einer halben Million Euro, abzüglich der Abbruchkosten von etwa 60.000 Euro möglich. Zudem muss die Stadt nicht auf die Förderung von Land und Bund verzichten.

Letztlich geht, was die Wiese hinter dem „Saftladen" anbelangt, zwar eine Teilfläche verloren, andererseits wird durch den Abbruch des Saftladens die Chance eröffnet dort einen zusätzlichen Grünbereich anzulegen, erklärte Bresch. Habe sich erst einmal die Vegetation wieder ausgebreitet und dem neuen Verlauf ein Gesicht gegeben, könnte sich das „Festgelände" mit Bachverlauf sogar als noch attraktiver darstellen.