19. April 2013  Quelle: Baden Online (http://www.bo.de/)

Kraftwerk mit Lachs-Treppe

Umweltminister weiht neue Anlage an der Kinzig bei Willstätt ein / Sauberer Strom für 1500 Haushalte

Seit gestern wird im neuen Wasserkraftwerk am Willstätter Kinzigwehr offiziell Strom erzeugt. Die Anlage wurde von Umweltminister Untersteller eingeweiht. Rund 1500 Haushalte können mit sauberer, klimafreundlicher Energie versorgt werden.

Willstätt. Mit dem symbolischen Druck auf den Einschaltknopf setzten gestern Mittag Landes-Umweltminister Franz Untersteller (Grüne), Willstätts Bürgermeister Marco Steffens und Süwag-Vorstandsvorsitzender Knut Zschiedrich die Turbine der neuen Anlage an der Kinzig bei Willstätt in Gang. Dabei bezeichnete der Umweltminister das Willstätter Wasserkraftwerk als einen Meilenstein sowohl hinsichtlich der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) als auch in Bezug auf die Energiewende.

»Das neue Kraftwerk beseitigt das letzte Hindernis in der Kinzig für den Lachs«, unter­strich Untersteller. Damit könne der Lachs wieder zu seinen traditionellen Laichgebieten in der Kinzig zurückkehren. Denn der Lachs laiche nicht im Rhein, sondern in den kleinen Zuflüssen. Und von diesen sei die Kinzig neben der Murg der wichtigste Laichplatz. Der Lachs sei als Synonym für die anderen Wanderfische zu sehen.

Die Süwag Energie AG hat für den Bau des Kinzig-Kraftwerks rund 8 Millionen Euro investiert. Davon entfallen den Ausführungen des Vorstandsvorsitzenden Knut Zschiedrich zufolge 2,5 Millionen auf die Einrichtung der Fischtreppe für die Wanderfische.

Weiter würdigte der Umweltminister die effizientere und umweltfreundlichere Arbeitsweise der neuen Anlage gegenüber der alten Turbine im Ortskern von Willstätt. Laut Knut Zschiedrich werden jährlich etwa 5 Millionen Kilowattstunden regenerativer Strom erzeugt – 40 Prozent mehr als im alten Wasserkraftwerk und gleichzeitig werden der Umwelt 1800 Tonen Kohlendioxid pro Jahr erspart. Und schließlich ermöglicht der Bau des neuen Kraftwerks am Ortsrand von Willstätt eine umfassende Sanierung der Willstätter Ortsmitte, worauf Bürgermeister Marco Steffens verwies. Er lobte die Verlässlichkeit der Süwag als Partner, die zum vereinbarten Termin den Anbau der alten Mühle im Ortskern geräumt habe, wo sie bis dahin seit 100 Jahren Strom produziert hat.

Die Verlagerung der Wasserkraft aus der Ortslage heraus »war und ist die entscheidende Voraussetzung für die Innenentwicklung im Kernort«, betonte Willstätts Bürgermeister. Dadurch könnten die Sanierungsziele »optimal umgesetzt« werden. Als da wären ein innerörtliches Baugebiet auf einer Industriebrache, die Schaffung eines Aufenthaltsorts an zentraler Stelle, an dem dörfliches Leben möglich ist, die Umgestaltung des Kinzigaltarms im Ort ebenfalls mit Fischaufstieg, für die das Land 2,2 Millionen Euro investiert, und schließlich der Umbau des alten Mühlengebäudes in ein Rathaus und Wohnungen, was in den nächsten eineinhalb Jahren realisiert werde.

Süwag-Chef, Minister und Bürgermeister lobten die konzertierte Aktion, in der das Projekt in einem guten Miteinander entwickelt worden sei. Neben Land, Süwag und Gemeinde waren am runden Tisch auch Fischerei, Naturschutz, Brauchtum und Geschichte sowie Anwohner vertreten: »Das hat das Verfahren beschleunigt«, sagte Steffens. »Und es hat auch gezeigt«, fügte Untersteller hinzu, »dass im Miteinander Konflikte gelöst und bei dieser Art von Bürgerbeteiligung viele gute Ideen und gute Lösungen gefunden werden können.«