01. Februar 2013  Quelle: Badische Zeitung

Da bewegt sich was

Projekt des Regierungspräsidiums: Im Salmengrund sollen wieder Streuwiesen entstehen.

NEURIED-ICHENHEIM. Etliche Angler und Spaziergänger, die in der Nähe vom Anglerheim in jüngster Zeit eine Runde gedreht haben, werden sich schon gefragt haben, was da draußen passiert, und warum mitten im Naturschutzgebiet Bäume und Büsche entfernt werden. Das hat seinen Grund: Im Salmengrund sollen wieder Streuwiesen entstehen.
Streuwiesen seien früher im Ried viel weiter verbreitet gewesen, sagt der Landschaftsökologe Jochen Bresch vom Ingenieurbüro Bresch Henne Mühlinghaus in Bruchsal, der im ganzen Landkreis im Auftrag des Regierungspräsidiums (RP) in Sachen Management von Pfeifengras-Streuwiesen unterwegs ist. "Weil die Nutzung wegfiel, sind viele Streuwiesen zugewachsen oder umgebrochen worden", sagt Bresch und berichtet, dass deren Name durchaus vom Zweck der Wiesen als Einstreu für die Viehställe herstamme. Der Verlust der Wiesen gehe einher mit dem Verschwinden jener Arten, die einen solchen Lebensraum brauchen.

Die Fachleute vom RP hoffen, dass durch die Umgestaltung der drei Hektar großen Fläche sich wieder Orchideenarten wie Sumpfwurz oder Knabenkraut ansiedeln. Aber auch eine spezielle Art Wasserfenchel, die in Baden-Württemberg fast ausgestorben sei, oder der Lungen-Enzian, der im Land nur noch an vier bis fünf Standorten vorkomme – zwei davon auf Neurieder Gemarkung –, werde erwartet. "Die Bekassine könnte wieder kommen, sie gilt in der Rheinebene als ausgestorben." Zudem könnte der Kiebitz profitieren und etliche Libellen- und Schmetterlingsarten. Vor sieben Jahren habe man ein ähnliches Projekt begonnen als Ausgleichsfläche im interkommunalen Gewerbegebiet Basic: "Die Streuwiese dort hat sich prächtig entwickelt."

Bresch ist überzeugt, dass beim Erhalt und Schaffen von Streuwiesen Neuried eine besondere Verantwortung hat: "Die schönste Streuwiese am ganzen Oberrhein befindet sich hier gleich nebenan im Gewann Sauschollen", sagt er. Auf Neurieder Gemarkung gebe es noch einige Riedwiesen, die es zu schützen und fördern gelte und die im Eigentum der Gemeinde seien. Diese habe das erkannt und dem Projekt Salmengrund zugestimmt.

Für all jene, die der Ansicht sind, hier werde ein wertvoller Bestand abgeholzt, der ebenso schützenswerte Pflanzen und Tiere enthalte, hat Bresch eine eindeutige Antwort: "Wenn man dies aus naturschutzfachlicher Sicht abwägt, ist das eine klare Sache. Die Zahl gefährdeter oder geschützter Arten ist auf Streuwiesen relativ hoch. Eine zugewachsene Fläche wie hier ist öfter zu finden."

Im Salmengrund ist seit Weihnachten das land- und forsttechnische Unternehmen von Thomas Kramberg im Einsatz, um die Gehölze zu entfernen. Dazu gehört viel Erfahrung, die die Firma mit Sitz in Orsingen seit über 20 Jahren in ähnlichen Projekten am Bodensee gemacht hat. Die Äste werden dann zu Hackschnitzel verarbeitet, die dickeren Stämme zu Brennholz. Im nächsten Arbeitsschritt werden die Wurzelstöcke entfernt oder abgefräst. Auf die gerodete Fläche wird dann von Streuwiesen in der näheren Umgebung Mähgut aufgebracht, so dass sich Samen entfalten. Bresch ist sich sicher, dass auch noch Samen im Boden vorhanden sind: "Die keimen wieder, wenn die Büsche weg sind." Die Pflege der Wiese danach ist einfach. Anfangs zweimal, später einmal mähen im Herbst, das ist alles und kann von einem Landwirt im Rahmen der Biotoppflege des RP erledigt werden.

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