13. Dezember 2012  Quelle: Acher- und Bühler Bote, BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN

Paradebeispiel einer Renaturierung

Umgestaltung der alten Kinzig in Willstätt geht voran / 13 000 Fische „umgesiedelt“

Willstätt (red). Zurück zur Natur: Der alte Flusslauf der Kinzig in Willstätt wird bekanntlich in der Ortsmitte zwischen dem Wehr bei der Alten Mühle und der Mündung in die neue Kinzig auf einem Kilometer umgestaltet. Zu einer informativen Baustellenbesichtigung an der alten Kinzig luden nun das Regierungspräsidium Freiburg (RP) als Bauherr gemeinsam mit der Gemeinde. Bei dem Vor-Ort-Termin wurden Bürger von Vertretern des RP, der Gemeindeverwaltung, den Planungsbüros und Baufirmen über den Stand der Umgestaltung informiert.

Die Kinzig sei hierzu in drei Bauabschnitte aufgeteilt. Bereits vor einem Jahr wurden im ersten Bauabschnitt zwischen der Rohrbrücke im Bereich des Wohngebiets „Gießen“ und der Mündung bereits erste Arbeiten ausgeführt. Da die Kinzig hier teilweise bis zu zwei Meter tief ist, solle durch die Anhebungen der Flusssohle erreicht werden, dass das Wasser schneller fließt. Zwischen der Rathausbrücke und der Fachwerkbrücke in Höhe des Industrieparks fanden in den letzten Wochen weitere Veränderungen statt, wurde informiert. Zuvor musste die Kinzig hier „ausgefischt“ werden, wobei rund 13 000 Fische gefangen und in die neue Kinzig umgesetzt wurden. Erfreulicherweise waren auch 50 junge Lachse dabei, die vermutlich aus dem Laich stammen, den ausgewachsene Lachse 2011 unterhalb der alten Mühle ablegten. Auch im zweiten Bauabschnitt sei die Flusssohle bis zu zwei Metern angehoben worden. Zudem wurde das Flussbett neu modelliert – hierzu wurde auf der bereits abgeschütteten Berme entlang der Böschung Bodenmaterial über eine Rampe angefahren. In diesem Abschnitt wurden kleinere Dämme und lebende Bäume als Strukturelemente eingebaut mit dem Ziel, einen möglichst naturnahen Gewässerabschnitt zu erhalten. Unter den eingebauten Bäumen, Weiden und Erlen sollen sich durch die Strömung Vertiefungen, sogenannte „Gumpen“ bilden, die für die Fischfauna sehr wichtig seien. Der Wasserzufluss aus der neuen Kinzig könne durch die vorhandenen Wehranlagen gesteuert werden. Zum Zeitpunkt der Begehung der Kinzig flossen etwas mehr als ein Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die alte Kinzig, nach Fertigstellung sollen es zwei Kubikmeter sein. Mehrmals im Jahr, wenn viel Wasser vom Schwarzwald kommt, könnten bis zu zwölf Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Ortsmitte fließen.

Bis Ende 2013 soll die Umgestaltung der Alten Kinzig abgeschlossen sein. „Danach werde die Kinzig in der Gemeinde Willstätt einen besseren Lebensraum für Wasserlebewesen bieten und es wird die Durchgängigkeit für Wanderfische, wie zum Beispiel den Lachs, wieder hergestellt sein“, freut man sich bei der Gemeinde. Bei den weiteren Planungen würden auch die Bürger sowie die Mitglieder des „Runden Tischs Kinzig“ einbezogen. Im Frühjahr soll es laut Bürgermeister Marco Steffens eine weitere Infoveranstaltung geben. Dem „Runden Tisch Kinzig“ gehören Vertreter von Behörden und Planungsbüros, interessierte Bürger, Grundstücksangrenzer sowie Interessensvertreter aus Willstätt.