19. Juni 2012  Quelle: http://www.bo.de/Lokales/Offenburg/Die-Riedwiese-wird-wiederbelebt

Altenheim: Exkursion führt zu einem ganz besonderen Lebensraum mit vielfältiger Flora und Fauna Jochen Bresch erklärt die vielfältige Flora der Riedwiesen, hier am Hörzlerau bei Altenheim. Foto: Stefanie Müller Riedwiesen sind ein ganz besonderer Lebensra

Stadtentwicklung startet erfolgreich

Neuried. Fleischfarbenes Knabenkraut, Knollenkratzdistel und Spargelerbse – was vielen Menschen nichts sagt und mitunter recht unscheinbar aussieht, ist für Biologen eine Besonderheit. Was vor Jahrzehnten auf Riedwiesen an Pflanzen noch oft zu finden war, ist heute eine Rarität. In Neuried gibt es diese besonderen Lebensräume noch beziehungsweise wieder. Schon vor Jahren hat man damit begonnen, Riedwiesen wieder herzustellen, etwa als Ausgleichsmaßnahme für Gewerbeflächen.
Am Donnerstag führte eine Exkursion zu den Wiesen. Auch das Regierungspräsidium ist gerade daran, in den Naturschutzgebieten am Oberrhein solche Flächen wieder herzustellen. Da das Projekt noch in der Anfangsphase steckt, wollten sich Behördenvertreter ein Bild von den unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Wiederherstellungsmaßnahmen machen. »Wir haben die gleiche Zielsetzung«, so Sabine Harms vom Referat Naturschutz und Landschaftspflege beim Regierungspräsidium Freiburg. Die Wiederherstellung dieser Lebensräume hält sie für wichtig, da sie sehr selten und äußerst vielfältig sind. Manche Pflanzenarten gebe es nur dort.
Davon konnten sich die Teilnehmer der Exkursion, Fachleute, Gemeinderäte, Verwaltungsmitarbeiter und interessierte Bürger selbst ein Bild machen. Erste Station war die Hörzlerau bei Altenheim. Diese Riedwiese wurde als Ausgleichsfläche für den Gewerbepark Basic angelegt, erklärte Jochen Bresch vom Planungsbüro Bresch Henne Mühlinghaus, das für die Wiederherstellung zuständig ist. Nach acht Jahren ist diese Wiese schon recht weit entwickelt. »Ab den 50er Jahren lag die Wiese brach und es breiteten sich Grauweiden aus«, so Bresch. Vor acht Jahren begann man mit der Rodung. Zwar sei auch Grauweidengebüsch schützenswert, in diesem kleinen Umfang sei der Nutzen jedoch nur gering, begründete der Landschaftsarchitekt die Maßnahme.
Mähgut übertragen
Nach der Rodung und der Entfernung der Wurzeln wurde das Mähgut von bestehenden Wiesen übertragen, damit sich so wieder die ursprünglichen Pflanzen ansiedeln konnten. Das ist im Übrigen ein recht langwieriger Prozess. Durch Mähen wird gesteuert, welche Pflanzenarten dort wachsen.
Dass bei einer solchen Maßnahme schweres Gerät zum Einsatz kommt und die Wiesen kräftig umgewühlt werden, erscheint nur auf den ersten Blick widersprüchlich. »Das verwächst sich bald wieder. Außerdem brauchen bestimmte Arten dies auch«, erklärt Geoökologin Isis Mogut von Bresch Henne Mühlinghaus das Vorgehen. Dadurch können Pflanzen wieder zum Keimen angeregt werden, die an dieser Stelle schon lange nicht mehr erschienen sind. Wie Bresch erklärte, können sich sogenannte Samenbanken, die im Boden befindlichen keimungsfähigen Pflanzensamen, sehr lange halten, vorausgesetzt es wird auf chemische Mittel verzichtet.
Welch aufwendiger Prozess die Wiederherstellung ist, zeigte sich an den nächsten Stationen. In der Sauschollenlache hat man vor drei Jahren damit als Ausgleich zum Hybridkraftwerk begonnen. Die Weiden sind mittlerweile entfernt, aber es steht dort noch viel Schilf. »Hier haben sich noch kaum schützenswerte Arten angesiedelt«, so Bresch.
Noch ganz am Anfang steht man an der Lungenenzianwiese im Naturschutzgebiet Sauschollen. Es handelt sich dabei um eine Maßnahme des Regierungspräsidiums. Dort hat man erst vor wenigen Monaten mit den Arbeiten begonnen, um eine bestehende Riedwiese zu vergrößern. Die Weidenstümpfe liegen noch am Rand. Im Spätsommer soll die Fläche gefräßt werden.

... [weitere Infos]